Kunstpreis der Stadt Augsburg, 2019

Silvia Jung-Wiesenmayer

jung wiesenmayer xlSilvia Jung-Wiesenmayer, Steinwindung 2017 Stein behauen 15 x 45 x 60 cm

 

Kunstpreis, Begründung der Jury

Die Textur bzw. Oberflächenstruktur ist ein Leitmotiv im künstlerischen Werk der Bildhauerin. Das ausgezeichnete Werk mit dem Titel „Steinwindung“ veranschaulicht dies. Mit außerordentlicher handwerklicher Fertigkeit hat Silvia Jung-Wiesenmayer den grauen Sandstein mit dem Winkelschleifer bearbeitet und dabei präzise Linien, Faltungen und Grate hervorgebracht. Sie schuf eine Skulptur, die in ihrer Perfektion beeindruckt. Neben der überaus gekonnten Formgebung überzeugte die Jury auch die stimmige Gesamtpräsentation auf dem Eisensockel und vor allem das entstandene Steinobjekt in seiner inhaltlichen Dimension. Man denkt unwillkürlich an etwas weiches Formbares, wenn man auf die Skulptur blickt.
Die im Werk vorhanden Gegensätze geben der „Steinwindung“ ihre große Kraft. Das harte Material des Steines er-scheint mit einem Mal weich und geschmeidig. Was schwer ist, bekommt eine Leichtigkeit. Das Starre scheint wie in Bewegung geraten. Von allen Seiten fasziniert das Objekt in seinem Spiel der Windungen und Drehungen. Besonderer Reiz entsteht durch den Schattenwurf der scharfkantigen Linien und Grate. So erfährt das Objekt „Steinwindungen“ eine sehr grafische Dimension.
Das Kunstwerk spielt mit unserer Wahrnehmung und suggeriert etwas, das in Wirklichkeit vielleicht ganz anders ist. Und genau das ist der große Reiz und Wert eines jeden guten Kunstwerkes, unsere Gedanken und Eindrücke zu irritieren, auf die Probe zu stellen und unser Denken herauszufordern. Silvia Jung-Wiesenmayer gelingt dies mit ihrem Werk „Steinwindung“ in besonderer Weise.
Dr. Karin Haslinger, BBK Allgäu/Schwaben-Süd