Neue
Optik mit verändertem Schwerpunkt
Ein Schwerpunkt der diesjährigen 56. Großen Schwäbischen
war mit Sicherheit das Thema Fotografie und deren artverwandte
Ausdrucksmöglichkeiten. Zum Themenbereich "im Focus" gab
es eine große Anzahl an fotografischen Einreichungen, von
denen letztendlich 23 Aussteller in die Ausstellung gelangten und
somit der Präsentation ihren Stempel aufdrückten.
Innerhalb dieser Kategorie gab es einiges zu entdecken. Beispielsweise
Wolfgang Mennels gelungene Kombination aus Farbfeldern und Fotografie
auf Plexiglas, Christian Sapparts dreiteilige Arbeit "oben" oder
aber Jo Thomas Stadtarchitekturen. Im Bereich von Malerei und Zeichnung
herrschte meist das kleine Format vor oder wurde über die
serielle Reihung zum raumgreifenden Exponat. Hier läßt
sich auch die 28-teilige Bodenarbeit von Edith Baumann ansiedeln,
die von dunkler Farbigkeit und magischen Zeichen lebt. Manuel Riegel
kombiniert Zeichnung und Malerei in seinem Zyklus "wir sind
nie allein". Linie und Fläche verschmelzen hier zur Einheit.
Georg Kleber präsentiert ein sensibles Großformat, Monika
Schultes und Felix Weinold sind mit jeweils einem ausdrucksstarken
Dyptichon vertreten. Der Blick in die Tiefe des Raums wird auf
der Leinwand von Helga Hegendörfer sichtbar, äußere
Dynamik und innere Ruhe ziehen den Betrachter dabei ins Bild. Einen
anderen Blick offenbart HABIB. Er zeigt einen intimen Ausschnitt
des Badezimmers, wo sich Marie gerade die Zähne putzt. Lois
Rinner überzeugt mit einer expressiven Kohlezeichnung und
Ursula Wild bannt ihre Lineaturen auf Packpapier. Nicht zu vergessen
die farbig gefasste Holzplastik von Terence Carr, die "arche" aus
Walnuss von Hans Malzer und die in Blei geschnittenen Figurationen
von Erika Berckhemer. Doch das perfekte Symbol der Ausstellung
hat sicher Georg Lang geschaffen. Seine Mischtechnik "packen
wir’s an" mit einer Schubkarre als zentralem Motiv läßt
für das Jahr 2005 hoffen: Packen wir’s an – also
los!
Für die Sonderausstellung im Kulturforum abraxas wurden diesmal
vier Künstler von der Jury ausgewählt. Dorothea Dudek
hat sich stilistisch sehr gewandelt. Sie tendiert nach einer abstrakten
Formensprache nun zu einer neuen Form des Realismus und zeigt einen
Zyklus von "Künstlerinnen-Portraits". Alles ist
in schwarzweißer Tonalität gehalten. Verschwommenes
steht gegen Konkretes, wirkt eindringlich in der Reduzierung. Markus
Jaser hat das moderne Japan festgehalten. Als Digitaldruck oder
Lambdaprint vermitteln seine Stadtlandschaften, U-Bahn-Sequenzen
und leeren Straßenfluchten die tiefere Bedeutung von Zeit,
Vergänglichkeit, Schnelligkeit und Bewegung.
Im Medium Zeichnung ist Marc Dietel zu hause. Dietels eigenwillige
ornamentale Linienführung kreist um Figur, Körperlichkeit
sowie deren Befindlichkeiten. Licht und Schatten kommen gut zur
Geltung. Besonders gelungen sind "Schamdi" und ""Faller".
Seine Styroporplastiken, abgesehen von "Orphelia", erreichen
nicht die Leichtigkeit und Sensibilität der Zeichnungen. Projektbezogen
arbeitet Hans-Martin Lohrmann. Natur-Kunst, Land-Art sind hier
willkommene Begriffe. Lohrmann setzt Zeichen in die Landschaft,
baut sakrale Stätten und Plätze. Das Kreissymbol aus
unterschiedlichen Naturmaterialien wie Steinen, Schlamm oder Knöterich
als Ausdruck eines vergangenen Mythos. Die Fotodokumentation der
einzelnen Projekte zeigt Entstehungsphasen wie Zeitabläufe
und vertieft den konzeptionellen Eindruck.
Stefan Wehmeier