56. Große Schwäbische Kunstausstellung
vom 04.12.04 bis 30.01.05 in der Toskanischen Säulenhalle

Übersicht    
Veranstalter / Jury alle teilnehmenden Künstler
Das Werkverzeichnis zum Durchblättern KünstlerInnen "im Focus" Fotografie
Bilder von der Vernissage / Ausstellung KünstlerInnen in der Sonderausstellung
Bilder von der Sonderausstellung Ausschreibung


Neue Optik mit verändertem Schwerpunkt

Ein Schwerpunkt der diesjährigen 56. Großen Schwäbischen war mit Sicherheit das Thema Fotografie und deren artverwandte Ausdrucksmöglichkeiten. Zum Themenbereich "im Focus" gab es eine große Anzahl an fotografischen Einreichungen, von denen letztendlich 23 Aussteller in die Ausstellung gelangten und somit der Präsentation ihren Stempel aufdrückten.

Innerhalb dieser Kategorie gab es einiges zu entdecken. Beispielsweise Wolfgang Mennels gelungene Kombination aus Farbfeldern und Fotografie auf Plexiglas, Christian Sapparts dreiteilige Arbeit "oben" oder aber Jo Thomas Stadtarchitekturen. Im Bereich von Malerei und Zeichnung herrschte meist das kleine Format vor oder wurde über die serielle Reihung zum raumgreifenden Exponat. Hier läßt sich auch die 28-teilige Bodenarbeit von Edith Baumann ansiedeln, die von dunkler Farbigkeit und magischen Zeichen lebt. Manuel Riegel kombiniert Zeichnung und Malerei in seinem Zyklus "wir sind nie allein". Linie und Fläche verschmelzen hier zur Einheit. Georg Kleber präsentiert ein sensibles Großformat, Monika Schultes und Felix Weinold sind mit jeweils einem ausdrucksstarken Dyptichon vertreten. Der Blick in die Tiefe des Raums wird auf der Leinwand von Helga Hegendörfer sichtbar, äußere Dynamik und innere Ruhe ziehen den Betrachter dabei ins Bild. Einen anderen Blick offenbart HABIB. Er zeigt einen intimen Ausschnitt des Badezimmers, wo sich Marie gerade die Zähne putzt. Lois Rinner überzeugt mit einer expressiven Kohlezeichnung und Ursula Wild bannt ihre Lineaturen auf Packpapier. Nicht zu vergessen die farbig gefasste Holzplastik von Terence Carr, die "arche" aus Walnuss von Hans Malzer und die in Blei geschnittenen Figurationen von Erika Berckhemer. Doch das perfekte Symbol der Ausstellung hat sicher Georg Lang geschaffen. Seine Mischtechnik "packen wir’s an" mit einer Schubkarre als zentralem Motiv läßt für das Jahr 2005 hoffen: Packen wir’s an – also los!

Für die Sonderausstellung im Kulturforum abraxas wurden diesmal vier Künstler von der Jury ausgewählt. Dorothea Dudek hat sich stilistisch sehr gewandelt. Sie tendiert nach einer abstrakten Formensprache nun zu einer neuen Form des Realismus und zeigt einen Zyklus von "Künstlerinnen-Portraits". Alles ist in schwarzweißer Tonalität gehalten. Verschwommenes steht gegen Konkretes, wirkt eindringlich in der Reduzierung. Markus Jaser hat das moderne Japan festgehalten. Als Digitaldruck oder Lambdaprint vermitteln seine Stadtlandschaften, U-Bahn-Sequenzen und leeren Straßenfluchten die tiefere Bedeutung von Zeit, Vergänglichkeit, Schnelligkeit und Bewegung.

Im Medium Zeichnung ist Marc Dietel zu hause. Dietels eigenwillige ornamentale Linienführung kreist um Figur, Körperlichkeit sowie deren Befindlichkeiten. Licht und Schatten kommen gut zur Geltung. Besonders gelungen sind "Schamdi" und ""Faller". Seine Styroporplastiken, abgesehen von "Orphelia", erreichen nicht die Leichtigkeit und Sensibilität der Zeichnungen. Projektbezogen arbeitet Hans-Martin Lohrmann. Natur-Kunst, Land-Art sind hier willkommene Begriffe. Lohrmann setzt Zeichen in die Landschaft, baut sakrale Stätten und Plätze. Das Kreissymbol aus unterschiedlichen Naturmaterialien wie Steinen, Schlamm oder Knöterich als Ausdruck eines vergangenen Mythos. Die Fotodokumentation der einzelnen Projekte zeigt Entstehungsphasen wie Zeitabläufe und vertieft den konzeptionellen Eindruck.

Stefan Wehmeier